(Human-)Systeme sind lebendig, so lange sie in der Lage sind, sich auf veränderte Umweltbedingungen einzustellen und sich weiterzuentwickeln. Wandlung und Entwicklung sind gebunden an das, was solche Systeme an innerer Struktur (Differenzierung, Verknüpfungen, Flexibilität, Ressourcen) mitbringen. Die innere Struktur (in Teilen genetisch verankert, in Teilen erfahrungsbedingt) definiert Möglichkeiten und Grenzen von Transformation. Substantielle Entwicklungsprozesse in (Human-)Systemen werden in der Regel durch Unterbrechungen in Gang gesetzt, also das Abweichen von eingefahrenen Routinen. Dadurch werden neue Erfahrungen möglich, die zu einer besseren Umweltreferenz führen können.
Was ist Innovation?
Innovation (Erneuerung) basiert Suchbewegungen. Sie geschieht an den Rändern, den Berührungspunkten mit der Umwelt, also von unten und von außen. Innovation lebt vom Differenzieren und Experimentieren. Die Herstellung von Unterschieden und die Wahrnehmung der Wirkung von Unterschieden machen den Kern des Innovationsvorgangs aus. Innovation lebt darüber hinaus von Kommunikation: Wenn sich eine veränderte Praxis im Feedback, im Vergleich unterschiedlicher Zeitpunkte und Situationen, als bessere (angemessenere, wirkungsvollere, ...) Option herausgestellt hat, kann sie als Innovation nachhaltig wirksam und ggf. für begrenzte Zeit als neuer Standard implementiert werden. Dazu müssen Erfahrungen auf breiter Basis zugänglich gemacht und kommuniziert werden. futur2 versteht sich auf diesem Hintergrund als Plattform, auf der innovative Projekte in Gesellschaft und Kirche präsentiert und in ihrem weiteren Verlauf kritisch und konstruktiv begleitet werden.
Was sind „innovative Projekte“?
Die Formulierung ist sicher vieldeutig. Uns geht es um Projekte, also konkrete, zeitlich begrenzte Vorhaben, die in ihrer Aufgabenstellung oder in ihrer Vorgehensweise neuartig oder einmalig sind, für die also keine Routinen vorliegen. Hierbei kann es sich um die Entwicklung und Erprobung neuer Produkte oder Dienstleistungen, alternativer Vorgehensweisen oder Verfahren handeln, etwa im Zusammenhang mit der Frage, wie Kirche ihre Anschlussfähigkeit an die Menschen unserer Zeit, ihre ästhetischen Orientierungen und differenzierten Lebenswelten und Lebensbiografien finden kann, oder aber wie sie ihre Prozesse angesichts der fortschreitenden finanziellen und personellen Ressourcenverknappung neu organisieren kann und was dies für die Rollenarchitektur ihrer Akteure bedeutet.
Was soll erreicht werden?
Der Idee, eine Plattform für (innovative) Praxisprojekte zu schaffen, liegt die Beobachtung zugrunde, dass es sowohl kirchlich als auch gesellschaftlich durchaus viele und auch erfolgreiche Ansätze einer zukunftsorientierten Erneuerung gibt. Dennoch sind sie kaum bekannt. Umgekehrt arbeiten viele in der Praxis an den gleichen Baustellen und könnten - wenn sie in Kontakt wären - viel voneinander lernen und wechselseitig voneinander profitieren. Anderen wiederum fehlt jegliche Idee, aus dem Trott und dem (Erfolgs-)Druck des Alltags auszusteigen und neuartig an die eigene Aufgabe heranzugehen.
futur2 will jedoch noch einen Schritt weitergehen. Zusammen mit der theologischen Fakultät Trier wird in den nächsten 2 Jahren ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren entwickelt, um Innovationsprojekte miteinander vergleichen zu können. Ein solcher Vergleich macht v.a. dann Sinn, wenn neben der Prozessen und Ressourcen insbesondere die Ergebnisse und die (langfristigen) Wirkungen in den Blick kommen und einer vergleichenden Analyse zugänglich werden.
Wie soll die Darstellung aussehen?
Der Aufbau von Praxisbeiträgen bzw. Fallstudien sollte sich nach Möglichkeit an folgender Struktur eiorientieren, die sich als hilfreich erwiesen hat und insbesondere die Vergleichbarkeit untereinander erhöht:
- Einleitung (Interesse des/r Lesers/in wecken, Thema benennen, ggf. Ergebnis knapp zusammenfassen)
- Ausgangssituation (Anlass, Kontext, ggf. (Vor-)Geschichte schildern)
- Planung, Vorgehen und (bisheriger) Verlauf des Projekt beschreiben (auch durch Grafiken, Bild und Tonmaterial illustriert)
- Erzielte Ergebnisse und Wirkungen quantitativer und qualitativer Art
- Benennung und Diskussion von Diskontinuitäten, Widerständen, Schwierigkeiten, Barrieren und Brüchen
- Zusammenfassung von Erkenntnissen und Empfehlungen für die Leser/innen (möglichst konkretes fachliches Resümee)
- Weitere Informations- und Kontaktmöglichkeiten